Am unteren Rand des Pools fühle ich mich am ruhigsten | Gedanken | rgbsf.com

Am unteren Rand des Pools fühle ich mich am ruhigsten



Als ich ein Kind war, atmete ich tief durch und tauchte unter Wasser im Pool ein. Ich würde die Luft in meinen Lungen ausblasen, damit ich bis zum Boden sinken konnte. Dort entdeckte ich eine reine Gelassenheit. Die lauten Geräusche anderer Menschen verschwanden und ich konnte nur die Luftblasen hören, die um mich herum schwebten. Die Stille ist für ein Kind so tief und seltsam. Ich fand Frieden mit der Einsamkeit, die das Wasser mir gab, und wollte so lange dort bleiben, wie ich den Atem anhalten konnte.

Ich habe nie meine Augen geschlossen, als ich unter Wasser war. Das war auch ein Teil des Spaßes. Die Welt unter Wasser zu sehen, war wunderbar und so anders. Ich konnte niemals meine Augen schließen, ich hatte immer zu viel Angst. Vielleicht fühlte ich aus meiner schrecklich aufgeregten Vorstellungskraft immer, dass die Realität nur mit dem zusammenhängt, was ich tatsächlich sehen konnte. Wie ein zweifelnder Peter müssen meine Augen immer offen sein, aber unter Wasser war alles, was ich sah, nur ein Trugbild. Es war fast eine Halluzination, aber eine, die einer entkoppelten Welt tiefe Bedeutung verleiht. Und so gefiel mir dieses Spiel, den Atem unter Wasser zu halten und mich von der Realität in eine unwirkliche Unterwasserwelt zu entfernen.

Das Leben ist schnell und es vergehen Wochen ohne die geringste Unterbrechung der Zeit. Ich habe endlich den Punkt erreicht, an dem ich das Bedürfnis habe, in dieser schnellen Welt langsamer zu werden. Alle fünf Minuten schaue ich auf mein Handy, eine zufällige Pause von dem Computer, den ich den ganzen Tag zur Arbeit anstarrt. Und dann geht es zum Auto, wo ich laute Musik spiele, die meine Nerven vor dem Stress des Arbeitstages beruhigen soll. Und dann geht es auf die Couch, wo wir im Fernseher einweichen und die ständigen Bildschirme, die die Seele der menschlichen Fantasie saugen.

Wir leben in einer gefährlichen Zeit und nicht in einem unmittelbar bevorstehenden Krieg oder einer physischen Gefahr, sondern in einer, die uns ständig von Emotionen und Menschlichkeit befreit. Das Leben ist ein Kampf, es ist ein ewiger geistiger Kreuzzug, der intern in unsere Insel der Gedanken eingebettet ist. Heutzutage müssen wir nicht mehr für uns selbst nachdenken oder uns um die kleinen Besorgungen und Pflichten kümmern, die uns menschlich machen. Wir können die Schönheit nicht in zwecklosen Bemühungen sehen, alles muss aufmerksamkeitsstark sein und als bedeutsam angesehen werden.

Dann machen wir uns Sorgen darüber, wie viel Geld wir verdienen, Designerkleidung und unser Aussehen, alles unbedeutend und vorübergehend. Und wir können uns nicht einfach nur an der Schönheit des menschlichen Geistes und der Eroberung erfreuen, die unsere Vorfahren angestrebt haben, uns atmen zu lassen und zu existieren. Im Leben geht es nicht um materialistische Erfolge, sondern um das Überleben und um die Reinheit des Lebens. Die Buddhisten vergleichen das Leben mit einem Fluss, einem Wasserfluss, der niemals endet und niemals beginnt.

Ich muss weg von allem. Also sprang ich wieder alleine in den Pool. Und ich habe wieder mein kindliches Spiel gespielt. Ich hielt den Atem an, ließ die Luft aus meinen Lungen und fiel zu Boden. Dort nahm ich eine neue Realität und eine Stille auf, die den Lärm der Stadt übertönte. Und ich öffnete meine Augen und die Welt war neu und rein.


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